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Jenseits der Piste: die stille Faszination von Winterwandern und Flachland-Touren an der Müritz
Wenn sich der letzte Herbstnebel verzieht und der Frost die Herrschaft übernimmt, zeigt sich die Mecklenburgische Seenplatte von einer völlig anderen Seite. Wo im Sommer weiße Segel und zahlreiche Ausflugsboote das Bild prägen, kehrt nun eine fast meditative Ruhe ein. Die Landschaft wirkt wie in Watte gepackt, reduziert auf das Wesentliche: Wasser, Wald und Weite.
Unter einer Decke aus Schnee und Eis verwandelt sich das „Kleine Meer“ in eine Szenerie, die stellenweise eher an skandinavische Weiten oder arktische Expeditionen erinnert als an einen Urlaubsort in Deutschland. Das Schilf am Ufer erstarrt in bizarren Eisformationen, und die Luft ist so klar, dass jeder Atemzug wie ein kleiner Kälteschock wirkt. Es ist eine Zeit, in der die Natur tief durchatmet.
Genau diese Stille bietet den perfekten Raum für eine neue Art des Entdeckens. Es muss nicht immer der alpine Höhenrausch sein, um den Winter intensiv zu spüren. Hier zählt nicht der vertikale Aufstieg, sondern die horizontale Freiheit. Das Konzept des „Hybrid-Abenteuers“ verbindet klassisches Winterwandern mit Elementen, die man sonst nur aus dem Hochgebirge kennt, um diese einzigartige Natur auf ganz neuen Wegen zu erschließen.
Ausrüstung trifft Innovation: die Technik des Gleitens
Wer schon einmal versucht hat, zu Fuß durch tief verschneite Wiesen oder unberührte Uferzonen zu stapfen, kennt die Mühe. Jeder Schritt sinkt tief ein, das Vorankommen wird schnell zum schweißtreibenden Kraftakt. Genau hier kommt Ausrüstung ins Spiel, die ursprünglich für alpine Abenteuer entwickelt wurde, aber auch im norddeutschen Flachland ihre Stärken voll ausspielt.
Das Splitboard, eigentlich für den Aufstieg auf Berggipfel gedacht, erweist sich an der Müritz als ideales Werkzeug für Entdecker. In der Mitte geteilt, verwandelt sich das Brett in zwei breite Tourenski. Diese bieten durch ihre große Auflagefläche enormen Auftrieb im Tiefschnee. Statt mühsam einzusinken, gleitet man förmlich über die weiße Decke hinweg. Es entsteht eine fließende Bewegung, die Kräfte spart und längere Distanzen durch die Winterlandschaft ermöglicht.
Doch die Technik ist nur die halbe Miete. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt und stundenlanger Bewegung in der Natur entscheidet oft das schwächste Glied in der Kette über das Wohlbefinden. Kalte Füße können das schönste Naturerlebnis schnell beenden. Daher ist die Wahl des richtigen Schuhwerks essenziell. Für dauerhaft warme Füße, Stabilität im Gelände und eine direkte Kraftübertragung auf die Kanten sind erstklassige Splitboard Boots auch im Flachland eine lohnende Investition. Sie bieten die nötige Isolation gegen die Kälte von unten und sorgen dafür, dass der Fuß auch nach vielen Kilometern noch festen Halt hat.
Eistrekking: der Tanz auf dem gefrorenen Spiegel
Der Übergang vom verschneiten Ufer auf die gefrorene Wasserfläche ist immer ein magischer Moment. Natürlich setzt dieser Schritt absolute Sicherheit voraus. Nur wenn die Eisdecke nach langen Frostperioden tragfähig genug ist, öffnet sich dieser neue, sonst verschlossene Weg. Sobald das Eis hält, verwandelt sich die Müritz in eine gigantische Bühne für das sogenannte Eistrekking.
Draußen auf der offenen Fläche ändert sich die Wahrnehmung schlagartig. Der schützende Wald fehlt, und der Wind hat freien Lauf über die Ebene. Unter den Sohlen – egal ob mit Spikes an den Winterstiefeln oder auf den breiten Brettern – knirscht es leise. Manchmal sendet der See tiefe, fast singende Geräusche aus, wenn sich thermische Spannungen im Eis lösen. Das ist der „Herzschlag“ des Sees, der Respekt einflößt und zugleich fasziniert.
Das Besondere an dieser Fortbewegung ist der radikale Perspektivwechsel. Man wandert genau dort, wo im Sommer die Fahrrinnen der Schiffe verlaufen. Der Blick zurück zum Ufer offenbart eine Skyline aus endlosen Schilfgürteln und knorrigen Buchenwäldern, die man so vom Land aus nie zu Gesicht bekommt. In dieser Weite fühlt sich der Mensch klein an, und der Alltag rückt in weite Ferne. Es ist eine Wanderung zwischen den Elementen, getragen nur von gefrorenem Wasser.
Die Entdeckung der Langsamkeit: Splitboard-Touren in der Ebene
Wer das Splitboard nur mit steilen Gipfeln und rasanten Abfahrten verbindet, übersieht oft das Potenzial der Ebene. Im Müritzgebiet geht es nicht um den Adrenalin-Kick, sondern um den meditativen Rhythmus der Bewegung. Im sogenannten „Travel Mode“, bei dem das Board geteilt als zwei Skier fungiert, wird die Landschaft auf eine völlig neue Art durchquert.
Es erinnert an Skilanglauf, doch abseits gespurter Loipen ist das Erlebnis ursprünglicher und wilder. Man gleitet lautlos durch verschneite Wälder oder über weite Feldflächen, die zu Fuß kaum passierbar wären. Es ist eine Art „Offroad-Wandern“ auf Brettern. Der gleichmäßige Schritt, begleitet nur vom eigenen Atem und dem Knirschen des Schnees, versetzt den Körper in eine Art Trance. Der Stress fällt ab, Gedanken kommen zur Ruhe.
Dieser leise, fast schleichende Gang ermöglicht zudem einzigartige Naturbeobachtungen. Da man sich nicht mühsam durch das Unterholz kämpft, sondern elegant darüber hinweggleitet, stört man die Tierwelt kaum. Mit etwas Glück lassen sich in der Dämmerung Rehe am Waldrand beobachten oder sogar ein Seeadler, der majestätisch über der gefrorenen Seenlandschaft kreist. Hier wird der Weg tatsächlich zum Ziel.
Das Basislager: Wärme und Reflexion
Wenn die Dämmerung einsetzt und die Kälte noch energischer zupackt, wird die Rückkehr in die Unterkunft zum belohnenden Abschluss. Nach Stunden in der klirrenden Luft reagiert der Körper intensiv auf Wärme. Das Gesicht kribbelt, und eine wohlige Erschöpfung breitet sich aus.
Viele Häuser an der Müritz haben sich auf diese Bedürfnisse eingestellt und bieten Sauna oder Kaminfeuer als Kontrastprogramm zum Eis. Dazu passt die regionale Winterküche, die mit deftigen Wildgerichten oder heißen Eintöpfen die Energiereserven wieder auffüllt. Hier zeigt sich der wohl größte Unterschied zum alpinen Skizirkus: Statt lautem Après-Ski herrscht entspannte Ruhe. Wer hierher kommt, sucht keine Party, sondern die stille Reflexion des Erlebten.
Schlussworte
Das Müritzgebiet beweist eindrucksvoll, dass echte Winterabenteuer keine Berge brauchen. Die Kombination aus Eistrekking und dem kreativen Einsatz von Touren-Equipment in der Ebene eröffnet völlig neue Horizonte für Outdoor-Begeisterte. Es ist ein Geheimtipp für alle, die den Winter in seiner ursprünglichsten Form suchen – leise, rau und wunderschön.